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Thema: Werbungskosten Student

  1. #1
    Silverlord
    Gast

    Werbungskosten Student

    Guten Abend zusammen!

    Ich habe soeben erfahren, dass als Student möglicherweise einige Kosten über die Werbungskosten von der Steuer absetzbar sind.
    Da ich auf diesem Gebiet ein absoluter Laie bin, möchte ich gerne die Profis frage.

    - Studium Bachelor 2006 - 2009 in Bochum
    - Studium Master 2009 - 2011 in Dortmund
    - ich wohne in Wuppertal, bis Mitte 2010 bei meinen Eltern, jetzt in einer eigenen Wohnung
    - gependelt bin ich mit dem Auto
    - Ich fange nun im November an zu arbeiten

    Jetzt meine Frage zu den Fahrtkosten:

    Wie kann ich die überhaupt absetzen. Belege hab ich logischerweise nicht, wer ahnt denn auch, dass man plötzlich als Student etwas absetzen kann?

    Danke euch vielmals!

    Gruß

  2. #2
    Foren-Dauerbesucher Avatar von Stadtkatze
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    Die Schule ist für einen Studenten die regelmäßige Arbeitsstätte im Sinne des Einkommensteuergesetzes. Fahrten dort hin können mit 0,30 €/Entfernungskilometer als Werbungskosten berücksichtigt werden. Der Ansatz tatsächlicher Kosten ist nicht zulässig, daher ist es auch unrelevant, dass Belege nicht vorhanden sind.

    Um den Abzug der Kosten zu erreichen, muss ein Antrag auf Feststellung des verbleibenden Verlustabzugs beantragt werden. Dies ist im vorliegenden Fall ab 2007 möglich, da für 2006 bereits Festsetzungsverjährung eingetreten ist.
    Voraussetzung für den Abzug ist, dass die Kosten selbst getragen wurden. Sie sollten also zumindest wirtschaftlicher Eigentümer des Fahrzeugs sein.

  3. #3
    Silverlord
    Gast
    Danke für die fixe Antwort!

    Drei Fragen ergeben sich allerdings für mich noch:

    Das Auto gehört mir, ich habe es bezahlt. Allerdings ist es auf meinen Vater zugelassen. Stellt das ein Problem dar?

    Rechne ich dann einfach pro Fahrt die Kilometer Hin und Zurück und das dann 4 mal die Woche? Muss ich da irgendwie nachweisen, wie oft ich zur Uni gefahren bin?

    Wie genau stelle ich den Antrag auf Feststellung des verbleibenden Verlustabzugs?

    Gruß!

  4. #4
    Foren-Dauerbesucher Avatar von Stadtkatze
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    Für den Werbungkostenabzug ist es unerheblich, wer das Fahrzeug zugelassen hat.

    Abziehbar sind 0,30 €/Entfernungskilomter, d. h. nicht tatsächlich gefahrene Kilomter.

    Der Antrag auf Verlustfeststellung ist ein Antrag in Zusammenhang mit der Einkommensteuererklärung (Kreuz auf dem Mantelbogen).
    Es sind also die Erklärungsvordrucke für die Einkommensteuer erforderlich. Wenn keine weiteren Einkünfte vorliegen Mantelbogen und die Anlage N. Auf der Rückseite der Anlage N werden die Werbungskosten erklärt.

    Die Anzahl der Fahrten zur Uni muss grundsätzlich nicht nachgewiesen werden. Werden aber z.B. 320 Fahrten zur Uni angegeben, wäre das ziemlich unglaubwürdig. Vier Tage/Woche - ohne Semesterferien sind jedoch glaubhaft und dürften keinen Anlass zur Nachfrage geben. Unabhängig davon kann aber ein Nachweis jederzeit gefordert werden, denn die Feststellungslast für steuermindernde Tatsachen trägt der Steuerpflichtige. Aber ich denke bei dem vorliegenden Sachverhalt und nachvollziehbaren Angaben düften wie erwähnt keine Nachweise gefordert werden.

    Also einfach die Vordrucke besorgen und loslegen, sofern sich dann Fragen bei der Erstellung der Erklärung ergeben kann auch Kontakt mit dem zuständigen Finanzamt aufgenommen werden. Dort erhalten die Steuerpflichtigen auch Unterstützung - jedoch keine Steuerberatung. Auch die gesamte Erklärung wird der Finanzbeamte nicht mit Ihnen fertigen, dafür sind die Angehörigen der steuerberatenden Berufe da.

  5. #5
    Foren-Dauerbesucher
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    Für den Werbungkostenabzug ist es unerheblich, wer das Fahrzeug zugelassen hat.
    Stimmt, es kommt drauf an wer die Kosten getragen hat.
    Abziehbar sind 0,30 €/Entfernungskilomter, d. h. nicht tatsächlich gefahrene Kilomter.
    Das sehe ich allerdings anders. Die Uni ist keine regelm. Arbeitsstätte (neueste Rechtssprechung), somit sind die tats. Anzahl der Fahrten nachzuweisen und die dadurch entstandenen Kosten (aus Vereinfachungsgründen 0,30/gefahrenen KM) glaubhaft zu machen.

  6. #6
    Foren-Dauerbesucher Avatar von Stadtkatze
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    Zitat Zitat von Opa-Frank Beitrag anzeigen
    Die Uni ist keine regelm. Arbeitsstätte (neueste Rechtssprechung), somit sind die tats. Anzahl der Fahrten nachzuweisen und die dadurch entstandenen Kosten (aus Vereinfachungsgründen 0,30/gefahrenen KM) glaubhaft zu machen.
    Eine derartige Rechtssprechung kenne ich nicht. Bisher sind alle Gerichte davon ausgegangen, dass es sich bei Uni oder Hochschule um eine regelmäßige Arbeitsstätte handelt. Jedoch ist zu dieser Problematik ein Revisionsverfahren (BFH: VI R 44/10) anhängig - Ausgang ungewiss. Nach derzeitiger Rechtsslage jedenfalls handelt es sich um Fahrten Wohnung-Arbeitsstätte.

    Das hindert aber nicht daran, die Werbungskosten nach Reisekostengrundsätzen zu beurteilen und sie entsprechend anzugeben. Ein etwaiges Rechtsbehelfsverfahren würde aufgrund des Revisionsverfahrens sowieso ruhen.

  7. #7
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    Zitat Zitat von Opa-Frank Beitrag anzeigen
    Die Uni ist keine regelm. Arbeitsstätte (neueste Rechtssprechung)
    Könnten wir dazu bitte die entsprechenden Aktenzeichen bekommen?

  8. #8
    Foren-Dauerbesucher Avatar von Stadtkatze
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    Zitat Zitat von versacube Beitrag anzeigen
    Könnten wir dazu bitte die entsprechenden Aktenzeichen bekommen?
    @Opa-Frank: Würdest du bitte eine Ansage zu den entsprechenden Aktenzeichen machen? Wenn dir die AZ nicht bekannt sind, vielleicht kannst du ja das Gericht benennen. Würde evtl. auch weiterhelfen.
    Auf alle Fälle wäre es nett, wenn du dich hierzu noch einmal räuspern würdest.
    Danke

  9. #9
    Super-Moderator Avatar von Catja
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    FG Köln, Urteil vom 28.04.2010, Az. 7 K 2486/09 (=> Uni = regelm. ArbStätte),

    aber:

    Revision eingelegt und angenommen: Az. BFH: VI R 44/10

  10. #10
    Foren-Dauerbesucher Avatar von Stadtkatze
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    Catja, genau das ist das aktuellste Urteil, welches ich zu dieser Problematik gefunden habe. - s. meinen Beitrag vom 20.10. ...und wie du sagst: Uni = regelmäßige Arbeitsstätte. Opa-Frank hat in seinem Beitrag aber ausgeführt, dass die Uni nicht die regelmäßige Arbeitsstätte ist und des dazu akutelle Urteile gäbe. Aber genau die habe ich nicht gefunden.
    ...und deshalb habe ich aufgrund der Frage von versacube noch einmal nachgehakt. Mich interessiert das Urteil (vielleicht sind es auch mehrere) nämlich auch sehr. Deshalb Opa-Frank - bitte AZ und Gericht.

  11. #11
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    Gerade beispw. aus diesem Urteil und den tats. Bedingungen ist für mich oftmals die Uni keine regelm. Arbeitsstätte mehr. Denn eine regelm. Arbeitsstätte (lt. dem urteil) setzt voraus, daß die Uni "nahezu tägl. aufgesucht wird". Aus einigen Fällen aus der Praxis gibt es jedoch diverse Unis bzw. Studiengänge wo die Vorlesung bspw. online gehalten wird, teilweise im Selbststudium erfolgt usw. Ich habe einige Studenten die bspw. nur 2 o. 3x wtl die Uni besuchen. Und das ist dann für mich keine Regelm. Arbeitsstätte mehr.
    Desweiteren gibt es nur noch eine regelm. Arbeitstätte (BFH v. 09.06.11 VI R 58/09, VI R 36/10, VI R 55/10), also sofern ein Praktikum o.ä. hinzukommt (was oft der Fall ist) ist eben nicht mehr nur unbedingt eine regelm. Arbeitsstätte gegeben.

  12. #12
    Super-Moderator Avatar von Catja
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    In jedem Fall empfiehlt es sich, (auch und gerade im Hinblick auf eventuell bei den Eltern gefährdetes Kindergeld) ggf. Einspruch einzulegen und mit Verweis auf das anhängige Verfahren AdV zu beantragen.

    Wir hatten hier mal einen user, der gerne schrieb: "Wer beantragt, kann etwas gestrichen kriegen, - wer nicht beantragt, hat schon verloren" (ausgeliehen bei @H.-C.).

  13. #13
    Foren-Dauerbesucher Avatar von Stadtkatze
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    Zitat Zitat von Opa-Frank Beitrag anzeigen
    Gerade beispw. aus diesem Urteil und den tats. Bedingungen ist für mich oftmals die Uni keine regelm. Arbeitsstätte mehr.
    Also, das kann man dem Urteil so nun wirklich nicht entnehmen. Dass die Uni u. U. kein regelmäßige Arbeitsstätte darstellt, ist völlig klar und im Einzelfall zu prüfen. Für Vollzeitstudenten dürfte das allerdings nicht der Regelfall sein.

    ... was heißt gerade beispw. aus diesem Urteil. Welche anderen Urteile kennst du noch? Rede doch bitte mal Klartext!

    Zitat Zitat von Opa-Frank Beitrag anzeigen
    Denn eine regelm. Arbeitsstätte (lt. dem urteil) setzt voraus, daß die Uni "nahezu tägl. aufgesucht wird". Aus einigen Fällen aus der Praxis gibt es jedoch diverse Unis bzw. Studiengänge wo die Vorlesung bspw. online gehalten wird, teilweise im Selbststudium erfolgt usw. Ich habe einige Studenten die bspw. nur 2 o. 3x wtl die Uni besuchen. Und das ist dann für mich keine Regelm. Arbeitsstätte mehr.
    Auszug aus dem Urteil: "Hiervon ausgehend ist bei einem aus Erwerbszwecken absolvierten Vollzeitstudium nach allgemeinen Grundsätzen zu entscheiden, ob bzw. wo eine regelmäßige Arbeitsstätte vorliegt. Regelmäßige Arbeitsstätte ist dabei der ortsgebundene Mittelpunkt der dauerhaft angelegten beruflichen Tätigkeit des Steuerpflichtigen (vgl. BFH-Urteil vom 29.04.2003 VI R 86/99, BStBl II 2003, 749; vom 11.5.2005, VI R 25/04, BStBl II 2005, 791; R 9.4 der Lohnsteuer-Richtlinien 2008). Dies kann bei einem herkömmlichen Studium die Universität, bei einem Fernstudium aber auch die Wohnung des Steuerpflichtigen sein, wenn er seinem Studium im Wesentlichen zu Hause nachgeht. Im Übrigen kann ein Studium aber auch an ständig wechselnden Einsatzstellen absolviert werden (vgl. vgl. BFH-Urteile vom 29.04.2003 VI R 86/99, BStBl II 2003, 749, und vom 4. Mai 1990 VI R 144/85, BStBl II 1990, 856, m.w.N.; Urteil des FG Rheinland-Pfalz vom 20.02.2006 5 K 2443/04, EFG 2006, 1044).

    Nach den Vorgaben der neueren BFH-Rechtsprechung kommt es entscheidend darauf an, ob es sich bei der Hochschule P für die Klägerin um eine ortsfeste dauerhafte Einrichtung handelt, an der sie ihre Studien betreibt und die sie nicht nur gelegentlich, sondern mit einer gewissen Nachhaltigkeit, d.h. fortdauernd und immer wieder aufsucht (vgl. BFH-Urteil vom 09.07.2009 VI R 21/08, BStBl II 2009, 822 m.w.N.). Das nachhaltige Aufsuchen durch den Arbeitnehmer erfordert allerdings weder eine bestimmte Häufigkeit noch eine bestimmte Intensität der Aufenthalte (vgl. Urteil des FG München vom 18.8.2009 2 K 4031/06, EFG 2009, 2014). Diese Voraussetzung kann insbesondere auch dann vorliegen, wenn ein Arbeitnehmer im Kalenderjahr durchschnittlich weniger als an einem Arbeitstag je Arbeitswoche an der Arbeitsstätte anwesend ist (vgl. BFH-Urteil vom 05.08.2004 VI R 40/03, BStBl II 2004, 1074). Entscheidend sind insoweit die konkreten Umstände des Einzelfalles, d.h. wann die Klägerin wo ihren Studien nachgegangen ist. Anhaltspunkt für die Bejahung eines Tätigkeitsmittelpunktes kann dabei neben der Dauer der dort ausgeübten Studien und dem Umstand, dass an diesen Ort immer wieder zurückgekehrt wird, die mit den Vorstellungen der Beteiligten übereinstimmende Verkehrsanschauung sein (vgl. BFH-Urteil vom 4.5.1990 VI R 144/85, BStBl II 1990, 856).
    Hiervon ausgehend hat der Beklagte im Streitfall zu Recht die Hochschule P als regelmäßige Arbeitsstätte der Klägerin angesehen und Fahrtkosten nur im Rahmen der Entfernungspauschale gemäß § 9 Abs. 1 Satz 3 Nr. 4 EStG berücksichtigt."

    Tut mir leid, auch hier kann ich nicht das entnehmen, was du dem Urteil entnehmen kannst.
    Es kommt immer auf den Einzelfall an. Das war noch nie anders. Nichts anderes besagt das Urteil.

    Zitat Zitat von Opa-Frank Beitrag anzeigen
    Desweiteren gibt es nur noch eine regelm. Arbeitstätte (BFH v. 09.06.11 VI R 58/09, VI R 36/10, VI R 55/10), also sofern ein Praktikum o.ä. hinzukommt (was oft der Fall ist) ist eben nicht mehr nur unbedingt eine regelm. Arbeitsstätte gegeben.
    Ja was denn nun eine oder nicht mehr nur unbedingt eine? Also der BFH hat im vorliegenden Fall entschieden, dass man nur eine regelmäßige Arbeitsstätte haben kann. Allerdings ist dieses Urteil nicht im Bundessteuerblatt Teil II veröffentlicht, sondern lediglich in der Fachzeitschrift BFH NV. An dieses Urteil ist die Finanzverwaltung also nicht gebunden. Das ist vorliegend aber auch sekundär, denn hier geht es um die Frage: Ist die Uni für einen Direktstudenten eine regelmäßige Arbeitsstätte.

    ...und das muss in diesem konkreten Einzelfall nun der BFH entscheiden. Das sollten wir abwarten. Bis zur Entscheidung ist jeder gut dran, der die Fahrten nach Reisekostengrundsätzen beurteilt und ggf. im Rechtsbehelfsverfahren ebenfalls auf den Richterspruch wartet. Bis dahin ruhen die Verfahren gemäß § 363 Abs. 2 Satz 2 AO.

  14. #14
    Silverlord
    Gast
    Guten Abend! :-)

    Ich habe nun eine Antwort vom Finanzamt bekommen und mir wurden meine eingereichten Verlustvorträge abgewiesen mit der Begründung:

    Nur als Sonderausgaben anrechenbar, außer wenn das Studium in einem Dienstverhältnis steht. Als Begründung wird die zwischenzeitliche Neuregelung durch §§ 4 Abs. 9 EStG, 9 Abs. 6 EStG herangezogen, die das Urteil des Bundesfinanzhofes (Az VI R 7/10 und VI R 38/10) aufheben würden.

    Kann ich dagegen noch Einspruch erheben bzw. hätte ein Einspruch überhaupt Aussicht auf Erfolg und wie müsste ich in den Einspruch begründen?

    Vielen Dank für eure Hilfe!
    Gruß

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