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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Erbnachlass nach Berliner Testament



Erbschleichhasser
22.05.2012, 12:58
Hallo,

mich beschäftigt mal folgende Frage, man liest immer ein Berliner Testament kann nachträglich, wenn einer der beiden Erblasser gestorben ist nicht mehr geändert werden.

Hintergrund:

Mein Bruder und Ich sind als die zwei Erben von unseren Eltern (Mutter verstorben) eingetragen. Jeder von uns beiden soll 50% vom Vermögen erben. Geldanlage + 4 Immobilien.

Das Verhältnis zwischen mir und meinem Bruder ist gestört und sehr schlecht, als kleine Anmerkung. Wäre es denn möglich, dass das Berliner Testament zwischen meinem Bruder und Vater ohne mich (hinter meinem Rücken) geändert werden kann, durch Übergabevertrag bzw. Schenkungsvertrag, somit ich dann irgendwann mit leeren Händen dastehen würde? Gibt es Möglichkeiten?

Aus diesem Paragrahpen werden ich nicht 100% schlauer:


§ 2287 Den Vertragserben beeinträchtigende Schenkungen
(1) Hat der Erblasser in der Absicht, den Vertragserben zu beeinträchtigen, eine Schenkung gemacht, so kann der Vertragserbe, nachdem ihm die Erbschaft angefallen ist, von dem Beschenkten die Herausgabe des Geschenks nach den Vorschriften über die Herausgabe einer ungerechtfertigten Bereicherung fordern.
(2) Die Verjährungsfrist des Anspruchs beginnt mit dem Erbfall.

Über eine kurze Antwort würde ich mich freuen und danke.

Liebe Grüße

Stefan

BabyOne
22.05.2012, 14:02
Ein Berliner Testament ist ein gemeinschaftliches Testament (§§ 2265 ff BGB) zweier Ehegatten, wobei man sich gegenseitig als Erben einsetzt und die Kinder als Schlusserben nach dem Letztversterbenden. Bei einem gemeinschaftlichen Testament werden die wechselseitigen Verfügungen (das ist zum Beispiel die Schlusserbeneinsetzung der Kinder) nach dem Tod des ersten Ehepartners unwiderruflich. Details dazu siehe § 2271 BGB. Es könnte auch sein, dass es dazu eine Widerrufsklausel im Testament gibt, deswegen ist wie fast imer der genaue Wortlaut wichtig.

Da der Vater erst einmal Erbe geworden ist, kann er prinzipiell mit seinem Eigentum machen was er will. Allerdings wird § 2287, der eigentlich für Erbverträge gilt, auch auf gemeinschaftliche Testamente angewendet, so dass man eine sog. beeinträchtignde Schenkung nach dem Erbfall zurückfordern.

Erbschleichhasser
22.05.2012, 15:35
eine widerrufsklausel befindet sich definitiv nicht in dem testament.

es ist ganz einfach aufgebaut, die wortlaute sind wie folgt ausgedrückt:

der längstlebende erbt das ganze vermögen, nach dessen abtreten wird das vermögen an beide kinder zur hälfte aufgeteilt...unser letzter wille blabla.

keine weiteren nennenswerten worte.

würde der notar so etwas ueberhaupt machen, er würde doch sehen dass ein berliner testament vorliegt und das ganze somit nichtig ist!?

Anagrom Ataf
22.05.2012, 15:40
er würde doch sehen dass ein berliner testament vorliegtWie sollte er das sehen? Im Übrigen entscheidet der Erblasser, was er beurkunden lassen will und der Notar kann es nicht ablehnen.
so dass man eine sog. beeinträchtignde Schenkung nach dem Erbfall zurückfordern. Wenn es eine Beeinträchtigungsabsicht gab.

Erbschleichhasser
22.05.2012, 15:49
Wie sollte er das sehen? Im Übrigen entscheidet der Erblasser, was er beurkunden lassen will und der Notar kann es nicht ablehnen.Wenn es eine Beeinträchtigungsabsicht gab.

achso, ich dachte der notar hat jederzeit auf das archivierte testament zugriff und sieht es.

wie ist denn die beeinträchtigungsabsicht genau zu definieren?

Anagrom Ataf
22.05.2012, 16:00
Was gibt es da zu definieren? Entweder nimmt der Erblasser eine Schenkung vor, um den eingesetzten Erben zu beeinträchtigen, oder er nimmt sie aus anderen Gründen vor. Im zweiten Fall gibt es auch keinen Rückforderungsanspruch. Denkbar ist auch, dass der Erblasser sein Eigentum verkauft und sich bis zu seinem Tod ein Luxusleben davon gönnt. Man sollte sich nicht über das Fell des Bären Gedanken machen, bevor er nicht erlegt ist. Bis zum Tod des Erblassers könnten sie auch bei Kenntnis nichts tun und was beim Tod da ist bzw. zu klären ist, ist völlig offen.

Erbschleichhasser
24.05.2012, 18:34
so mal mit einem notar gesprochen, laut ihm besteht nur noch ein anspruch auf ein 1/4 des ganzes vermögen. also wie im testament festgeschrieben zur hälfte ist nicht mehr möglich und demnach ausser kraft gesetzt. dann spare ich mir schon den gang zum anwalt für ein aufklärendes gespräch.

danke an euch beiden :rolleyes:

Anagrom Ataf
24.05.2012, 20:00
??? Ich weiß ja nicht, was der Notar gefragt wurde oder was er genau antwortete oder welche Informationen oben fehlten, aber die Aussage ist unverständlich.