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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : eingetragenes lebenslanges Wohnrecht beider Partner, jetzt Trennung



Little
07.04.2013, 14:51
Hallo,
ich stehe vor einem wirklichen Problem und weiß nicht mehr weiter.

Meine Kinder 17 und 18 Jahre haben vor Jahren ein Haus geerbt, wo ein lebenslanges Wohnrecht von mir und meinen Mann im Grundbuch eingetragen ist, zu gleichen Rechten.

Mein Mann hat seit 6 Jahren eine außereheliche Beziehung und hat meiner Meinung nach ein Alkoholproblem. Ich möchte mich gerne Trennen und endlich Ruhe in mein Leben bringen. Mein Sohn wohnt noch bei uns, er ist Schüler, meine Tochter hat einen eigenen Hausstand mit eig. Kind.

Jetzt zu meinem Problem:

Ich selber habe nur eine Arbeit als geringfügige Beschäftigte. Ich würde gerne Ausziehen, wäre dann aber auf zusätzliche Unterstützung vom Job Center angewiesen. Das Job Center würde mir eine Wohnung bezahlen, aber nicht für den Unterhalt meines Sohnes aufkommen, da er die Hälfte des Hauses besitzt. Von meinem Mann brauche kann ich kein Unterhalt erwarten. Ich als Mutter kann aber meinen Sohn nicht zurücklassen. Zudem will mein Mann sich nicht Scheiden lassen arbeitet mit allem dagegen.

Mein Mann besteht auf sein Wohnrecht, weigert sich das Haus zu verlassen. Dadurch bin ich weiterhin von ihm finanziell abhängig, und auch seinen Launen ausgeliefert. Ich bin mittlerweile ein Nervenfrack und halte die Situation nicht mehr aus.

Gibt es keine Möglichkeit aus dem Teufelskreis herauszukommen?

Ich bin für jeden Tip Dankbar.

Liebe Grüße

Heike

Sheherazade
08.04.2013, 06:34
Mein Rat: Einen anderen (besser bezahlten) Job suchen und einen Anwalt für Familienrecht aufsuchen. Der kann sich die notarielle Vereinbarung über das Wohnrecht mal genauer ansehen um herauszufinden, was machbar ist im Falle einer Trennung.

Mueck
10.04.2013, 00:16
Mein Rat: Einen anderen (besser bezahlten) Job suchen
... wenn das so einfach wäre ... Mal angenommen, man hat sich eine ganze Weile hauptsächlich um die Kids gekümmert, dürften viele Optionen auf besser bezahlte Jobs eher mau aussehen ...

und einen Anwalt für Familienrecht aufsuchen.
Sicherlich nützlich im allgemeinen für Fragen zur Trennung, aber auch für die Spezialfrage?

Der kann sich die notarielle Vereinbarung über das Wohnrecht mal genauer ansehen um herauszufinden, was machbar ist im Falle einer Trennung.
Da vermutlich die Erblasser schon älter waren, dürften die noch vom alten Schlage gewesen sein, wo man sich bis zum Tode band, und somit ist fraglich, ob da Schlupflöcher zum Ausstieg angedacht oder auch nur ein bisschen offen sind ...
Von daher würde ich die Frage ...

Gibt es keine Möglichkeit aus dem Teufelskreis herauszukommen?
... vielleicht mal offener angehen ...



Mein Mann hat seit 6 Jahren eine außereheliche Beziehung und hat meiner Meinung nach ein Alkoholproblem. Ich möchte mich gerne Trennen und endlich Ruhe in mein Leben bringen. Mein Sohn wohnt noch bei uns, er ist Schüler, meine Tochter hat einen eigenen Hausstand mit eig. Kind.
... Ich würde gerne Ausziehen, wäre dann aber auf zusätzliche Unterstützung vom Job Center angewiesen. Das Job Center würde mir eine Wohnung bezahlen, aber nicht für den Unterhalt meines Sohnes aufkommen, da er die Hälfte des Hauses besitzt. ...
... Ich bin mittlerweile ein Nervenfrack und halte die Situation nicht mehr aus.
Zum Eigentum der Hälfte des Hauses: Wenn Vermögen womöglich wirtschaftlich nicht verwertbar ist (Wohnrecht!), sollte das nicht am ALG-II-Bezug hindern. Davon muss man das Jobcenter aber erst noch überzeugen können ...
Aber ich wollte ja auf die nichtjuristischen Sachen raus ...

Offenbar hat die Psyche bei allen einen mehr oder weniger großen Knacks, warum auch immer ... Festzuhalten ist:

- Vom Jobcenter abhängig zu sein, ist NICHT gut für die schon ramponierte Psyche!

- Wenn das Alkoholproblem des Mannes nicht gelöst wird, ist das auch nicht gut für alle.
Je älter dieses Problem ist, desto mehr haben evtl. auch die Kinder ein (evtl. noch unerkanntes) Problem damit.

- Eine Trennung heilt NICHT automatisch die aufgelaufenen Probleme, Verletzungen, ...
Oft bleiben die wie ein Klotz am Bein an einem hängen ...
Oft sind diese Probleme eh nur Folgeprobleme viel älterer Probleme .

Offenbar dauert es nicht mehr allzu lange, bis auch das 2. Kind flügge wird und aus dem Hause raus ist.
Das ist also ein idealer Zeitpunkt, Bilanz zu ziehen, alte Fehler aufzudecken, zu neuen Ufern aufzubrechen oder das alte Leben neu aufzustellen ...

Im M_m*nt l*s* ich g*rad* *in Buch v_n R_b*rt B*tz, nachd*m ich auf s*in* Vid*_s b*i DEINERÖHRE v_n m*in*r Ex aufm*rksam g*macht wurd*.
"Wahr* Li*b* lässt fr*i" wär* w_hl *in gut*r Einsti*g in das Th*ma.
L*id*r darf man hi*r k*in* Nam*n n*nn*n, ab*r ich h_ffe, m*in* kaputt* Tastatur hilft ... ;)

So, repariert ... ;) So ähnlich findet man die Thesen aber auch bei vielen anderen Autoren. Diese kurz zusammengefasst:

Die meisten Probleme im heutigen Leben resultieren in falsch erlernten Muster aus der Kindheit, die früher überlebensnotwendig waren, heute überflüssig und mehr als hinderlich ...
Meist bleiben die Verletzungen in der Endphase der Beziehung in der Erinnerung hängen statt der vielen schönen Sachen, wegen denen man zusammen kam.
Vorwärts kommt man aber nur, wenn man an die guten Sachen denkt.
Die negativen Sachen von den Eltern, Chefs, Partnern, ... muss man zum Weiterkommen vergeben können (nicht vergessen o.ä.!)
In der Opferrolle stecken bleiben taugt nix
Das eigene Glück kommt aus einem selbst heraus. Andere können einen NICHT glücklich machen.
Man ist für das eigene Leben größtenteils selbst verantwortlich.
Man muss sich selbst annehmen
...
Und noch einiges mehr. Soweit zur Theorie, wobei ich zugegeben trotz einiger Bücher nicht nur von dem Autor in der Praxis leider erst ganz am Anfang stehe ;-) ... was aber womöglich auch an der Schwere meiner Probleme liegt, bei anderen geht's evtl. schneller ...

Wenn man dann die Vergangenheit halbwegs aufgearbeitet hat oder zumind,. weiß, was da im Argen lag, wie man dorthin kam, wo man heute steht, dann sollte sich auch ein Weg in die Zukunft abzeichnen, die vielleicht nicht nur die eigenen Probleme löst, sondern auch noch die der anderen, was sich wiederum äußerst positiv auf das eigene Leben auswirken kann, weil man sich dabei vielen Stress sparen kann.

Ich vermute mal stark, dass eine Beibehaltung des jetzigen Status wirtschaftliche Vorteile hätte, weil Haus vielleicht abbezahlt und somit auch mit geringerem Einkommen zu halten. Ich vermute mal, dass der jetzige Status eine finanzielle Perspektive im Hintergrund hat, das Haus für den Fall, dass die Ehe ewig halten täte, adäquat unterhalten zu können, ohne dass die Kinder als Eigentümer das als Klotz am Bein haben. Wohl deswegen will der Mann das gerne so beibehalten? Ich vermute mal, für Dich hätte es auch ggü. kleiner Hartz-4-Bude auch wirtschaftliche Vorteile ...

Ich weiß nicht, ob das Haus, insbes. nach Auszug aller Kinder, das Potential hätte, sich halbwegs aus dem Wege zu gehen, evtl. unter Nutzung noch nicht ausgebauter Dächer o.ä. und wie weit das auf Dauer nötig wäre.

Bei ungleichen Einkommen, die aus dem Beitrag zu vermuten sind, hat die Ehe ja auch finanzielle Vorteile. Wenn der Mann gegen eine Scheidung arbeitet, heißt das ja wohl, dass er weiterhin zur finanziellen Versorgung steht. Wenn dabei zum Leben mehr bleibt als bei Hartz 4 ...

Soweit die technisch-finanzielle Seite, die vielleicht für eine Fortführung des aktuellen äußeren Status spräche, WENN man die Psyche bei einer sowieso fälligen Umorientierung damit vernünftig vereinbart kriegt. Im Prinzip ist unsere heutige Gesellschaft ja deutlich offener für unterschiedlichste Lebensmodelle.
Um mich mal weiter grob an obigen Autor anzulehnen:
Verletzungen kommen selten vom anderen, sondern haben die Wurzel in einen selbst, weil man alte Muster anwendet aus Verletzungen aus der Kindheit.
Bei Fremdgehen heißt das aber deswegen nicht, dass man da machtlos wäre, denn aus eigener Verantwortung heraus hat man ja selbst die Wahl, WIE man darauf reagiert. Und dafür gibt es durchaus verschiedene Wege.
Trennung mit evtl. langem Streit um Wohnrecht und Finanzen und Abhängigkeit vom Jobcenter etc. ist der eine Weg, der im Originalbeitrag anklingt.
Mit Nudelholz die Konkurrenz vertreiben und Flaschen zerdeppern wäre ein anderer Weg ... ;-)
Arrangieren mit den äußeren Umständen, deren positive Aspekte nutzen (Finanzen und Wohnung, keine zähe Auseinandersetzung) und darum herum ein neues anderes Leben mit anderen Wegen zum eigenen Glück aufzubauen, wäre vielleicht ein anderer Weg, bei dem das Verhältnis zwischen allen Beteiligten besser wäre als im aufkommenden Streitfalle.

Ob ein solcher Weg in Frage käme, dazu müsste man die privaten Umstände besser kennen. Wieviel Porzellan ist schon zerschlagen, wie ist das Verhältnis aller beteiligten zueinander incl. der außerehelichen Freundin, warum will der Mann ja offensichtlich keine engere Bindung zu dieser Dame bzw. warum diese zu ihm nicht, denn dem stünde die Ehe ja auch im Wege etc., die ER (sie?) ja beibehalten will. Was sind seine und ihre Motive dabei, was führte zu seinem evtl. Alkoholproblem etc. Wie gehen die Kinder damit um, was sind deren Wünsche bzgl. Kontakt zu den Eltern (die ja evtl. unter aufkommenden Streit leiden könnten) etc.

Hier bekommt man bei den Schilderungen von Fällen oft genug auch einen Eindruck, wie das Verhältnis der beteiligten zueinander ist. Oft kann man schon bei der Wortwahl zwischen den Zeilen lesen, dass da gar nix mehr möglich ist und nur noch der juristische Weg bleibt, der dann der einfachste Ausweg ist.
Hier scheint mir zum einen der juristische Weg komplexer, das finanzielle Ergebnis wenig zufriedenstellend und zum anderen die Wortwahl noch offener für andere Lösungen ... Daher auch dieser mein unjuristischer Einwurf...

Ich habe zwar weder Ehepartner, noch Kinder (wenn kleine Kinder eine Rolle spielen, mögen Lösungen anders aussehen, aber auch da täuscht man sich wohl oft über das, was sinnvoll wäre ...), aber schon Beziehungen hinter mir. Bei meiner letzten Beziehung spielte mein "Vorgänger" weiterhin eine wichtige Rolle, weil weiterhin bester Kumpel, Nachbar, Kollege, ... Es war für mich klar, dass ich das, was er ihr noch bieten kann, selbst NIE adäquat ersetzen könnte (dafür bot ich ihr eben was anderes, sehr wichtiges, deswegen kamen wir ja zusammen ...), und dass ich sie unglücklich machen täte, würde ich ihr den Kontakt zu ihr verbieten wollen o.ä. Deswegen konnte ich gut damit leben, dass die beiden noch oft Kontakt hatten. Inzwischen ist sie mit einem anderen Mann zusammen, der ihre Freundschaft zu meinem Vorgänger (und auch zu mir, sie wartet schon sehnsüchtig drauf, dass ich das Buch durch habe ... ;-) ) auch relativ locker sieht. Mein Vorgänger scheint auch inzwischen frisch verliebt. Kürzlich waren die wohl schon zu viert unterwegs. Und es scheint so, dass jeder von den vieren mit seinem Leben glücklich ist, so wie es ist, weil alles offen und unverkrampft abläuft. Es scheint also was dran zu sein, dass man heutzutage auch unkonventionelle Lebensmodelle leben kann. Die Beziehungen gingen allerdings jeweils auch eher unspektakulär auseinander, ohne zerschlagenes Porzellan, das erleichtert sowas sicherlich.

Vielleicht kommt ja bei einer Bilanzierung des bisherigen Lebens incl. des Warums, wie jeder in die Rolle geraten ist, die er aktuell spielt, heraus, dass man finanzielle Aspekte u.ä. von den Aspekten des persönlichen Glücks und der Selbstverwirklichung so trennen kann, dass man neue Wege ohne juristischen Streit findet?
Auf jeden Fall hülfe eine solche Bilanzierung auch bei anderen Wegen, sich sicherer zu fühlen, wenn die Entscheidung auf den juristischen Weg lautet, weil die Voraussetzungen für andere Wege fehlen.
Viel Glück!

Gruß Heiko

Fridolinchen
10.04.2013, 13:25
Hallo,

ich würde nicht ausziehen, sondern einen Anwalt einschalten und die Wohnungszuweisung beantragen, evtl. besteht ja Anspruch auf einen Beratungsschein und Verfahrenskostenhilfe. Vor dem Gang zum Anwalt daher mal beim zuständigen Amtsgericht nach einem Beratungsschein erkundigen.

§ 1361b BGB Ehewohnung bei Getrenntleben
(1) Leben die Ehegatten voneinander getrennt oder will einer von ihnen getrennt leben, so kann ein Ehegatte verlangen, dass ihm der andere die Ehewohnung oder einen Teil zur alleinigen Benutzung überlässt, soweit dies auch unter Berücksichtigung der Belange des anderen Ehegatten notwendig ist, um eine unbillige Härte zu vermeiden. Eine unbillige Härte kann auch dann gegeben sein, wenn das Wohl von im Haushalt lebenden Kindern beeinträchtigt ist. Steht einem Ehegatten allein oder gemeinsam mit einem Dritten das Eigentum, das Erbbaurecht oder der Nießbrauch an dem Grundstück zu, auf dem sich die Ehewohnung befindet, so ist dies besonders zu berücksichtigen; Entsprechendes gilt für das Wohnungseigentum, das Dauerwohnrecht und das dingliche Wohnrecht.
(2) Hat der Ehegatte, gegen den sich der Antrag richtet, den anderen Ehegatten widerrechtlich und vorsätzlich am Körper, der Gesundheit oder der Freiheit verletzt oder mit einer solchen Verletzung oder der Verletzung des Lebens widerrechtlich gedroht, ist in der Regel die gesamte Wohnung zur alleinigen Benutzung zu überlassen. Der Anspruch auf Wohnungsüberlassung ist nur dann ausgeschlossen, wenn keine weiteren Verletzungen und widerrechtlichen Drohungen zu besorgen sind, es sei denn, dass dem verletzten Ehegatten das weitere Zusammenleben mit dem anderen wegen der Schwere der Tat nicht zuzumuten ist.
(3) Wurde einem Ehegatten die Ehewohnung ganz oder zum Teil überlassen, so hat der andere alles zu unterlassen, was geeignet ist, die Ausübung dieses Nutzungsrechts zu erschweren oder zu vereiteln. Er kann von dem nutzungsberechtigten Ehegatten eine Vergütung für die Nutzung verlangen, soweit dies der Billigkeit entspricht.
(4) Ist nach der Trennung der Ehegatten im Sinne des § 1567 Abs. 1 ein Ehegatte aus der Ehewohnung ausgezogen und hat er binnen sechs Monaten nach seinem Auszug eine ernstliche Rückkehrabsicht dem anderen Ehegatten gegenüber nicht bekundet, so wird unwiderleglich vermutet, dass er dem in der Ehewohnung verbliebenen Ehegatten das alleinige Nutzungsrecht überlassen hat.

§ 1568a BGB Ehewohnung
(1) Ein Ehegatte kann verlangen, dass ihm der andere Ehegatte anlässlich der Scheidung die Ehewohnung überlässt, wenn er auf deren Nutzung unter Berücksichtigung des Wohls der im Haushalt lebenden Kinder und der Lebensverhältnisse der Ehegatten in stärkerem Maße angewiesen ist als der andere Ehegatte oder die Überlassung aus anderen Gründen der Billigkeit entspricht.
(2) Ist einer der Ehegatten allein oder gemeinsam mit einem Dritten Eigentümer des Grundstücks, auf dem sich die Ehewohnung befindet, oder steht einem Ehegatten allein oder gemeinsam mit einem Dritten ein Nießbrauch, das Erbbaurecht oder ein dingliches Wohnrecht an dem Grundstück zu, so kann der andere Ehegatte die Überlassung nur verlangen, wenn dies notwendig ist, um eine unbillige Härte zu vermeiden. Entsprechendes gilt für das Wohnungseigentum und das Dauerwohnrecht.
[...]


Gruß
Frido